Mit Frans unterwegs durch Namibia – Interview mit einem Reiseleiter

Windhoek (bo) – Er strahlt über das ganze Gesicht: unser Guide Frans Hamaseb kann es kaum erwarten, uns (seiner neunköpfigen Reisegruppe) sein Land zu zeigen. Gelassen sitzt er hinter dem Steuer unseres Reisebuses und wartet geduldig, bis wir alle vollzählig im Bus sitzen. «Bording completely» witzelt er ins Mikrofon, gefolgt von einem herzhaften, ansteckenden Lachen. Der ganze Bus grinst, und der Versprecher macht unseren Guide nur noch sympathischer. Ja, wir sind bereit für die nächste Etappe auf unserer unvergesslichen Reise durch Namibia.

Private Safaris: Frans, vor zwölf Jahren hast du den Entschluss gefasst, Reiseleiter zu werden. Was hat dich dazu bewogen? 

Frans: Das hat sich so langsam entwickelt. Nach der 12. Klasse habe ich begonnen, in einer Lodge zu arbeiten,
wo ich als «Field Guide» den Gästen die Natur und Tierwelt gezeigt habe. Den Umgang mit Menschen und den Zugang zur Natur habe ich sehr genossen. Deshalb habe ich kurz darauf die Ausbildung zum Jagdführer gemacht und viele Jahre auf Jagdfarmen gearbeitet. Als Teil der Arbeit habe ich oft Gäste vom Flughafen abgeholt, sie zur Jagdfarm gebracht und ihnen beim Check-in geholfen. Das hat mir grossen Spass bereitet. Und so habe ich begonnen, als Fahrer zu arbeiten. Ich war also mit einem Reiseleiter und Gästen unterwegs. Durch diese Arbeit hatte ich viel Kontakt mit den Reiseleitern. Und irgendwann war mir dann klar, dass ich auch als Reiseleiter arbeiten möchte.

Was genau war es, das dich an dieser Tätigkeit fasziniert hat? 

Die Touristen waren alle so freundlich, und sie waren extra gekommen, um mein Land zu entdecken. Dieses grosse Interesse hat mich beeindruckt. Zudem waren die Reiseleiter immer so glücklich, sie schienen ihren Job wirklich gerne zu machen. Deshalb habe ich mich entschieden, dass ich auch Reiseleiter
sein möchte.

Und ist die Arbeit so, wie du sie erwartet hast? 

Absolut. Der Job ist einfach toll. Ich geniesse meine Arbeit sehr. Sagt’s, und strahlt über das ganze Gesicht. Die Freundlichkeit und Herzlichkeit der Menschen in Namibia hat uns alle sehr schnell in ihren Bann gezogen. Dabei ist das junge Land, das erst vor gut 25 Jahren (1990), die Unabhängigkeit erlangte, das Zuhause vieler verschiedene Kulturen und nicht weniger als 13 Stämme. Zudem ist es geprägt von vielen Gegensätzen. So sind wir am einen Tag sprachlos über die Schönheit der Dünen in Sossusvlei, um am nächsten Tag in Swakopmund am Atlantischen Ozean bei einem Gin und Tonic die frische Meeresbrise einzuatmen. Herrlich. «Salami-Antilope rechts» tönt es grinsend aus dem Mikrofon. Neun Köpfe drehen sich erwartungsvoll nach rechts, und als wir ein Pferd entdecken dauert es eine Sekunde, bis der Groschen fällt. Wir schmunzeln amüsiert.

Frans, was gefällt dir am besten an deiner Arbeit?

Ich arbeite sehr gerne mit Menschen aus verschiedenen Ländern. Alle sind anders, und das ist sehr spannend. Ich geniesse den Umgang. Ich führe oft Gäste aus Deutschland und der Schweiz durch Namibia, aber ich zähle auch Japaner, Chinesen und Amerikaner zu meinen Gästen. Diese Abwechslung ist ganz toll. Ausserdem gefällt mir die Möglichkeit, mich weiterzuentwickeln. Die Ausbildung zum Reiseleiter für die Länder im südlichen Afrika hat drei Jahre gedauert, aber auch heute nach zwölf Jahren kann ich mich laufend in Kursen weiterbilden. Als nächstes werde ich beispielsweise einen Kurs in Elefanten-Theorie besuchen. Darauf freue ich mich sehr. Frans spricht Hochdeutsch mit uns, aber hin und wieder müssen wir genau hinhören um ihn zu verstehen, denn er hat nie einen offiziellen Deutsch-Kurs besucht. So wurde das Tier «getot» statt getötet, und er spricht uns als Gruppe mit «du» in der zweiten Person Einzahl an. Doch das macht ihn für uns nur noch sympatischer.

Du sagst, du hast auf der Jagdfarm Deutsch gelernt.

Ja genau. Die Besitzer der Jadgfarm und viele der Jäger waren Deutsche. Die Inhaber haben mir damals nahe gelegt, Deutsch zu lernen. Einmal musste ich mit den Jägern mitgehen, obwohl ich kein Wort verstanden habe. Das war der Anfang. «Da musste ich mit Fuss ins kalte Wasser rein» erklärt Frans nicht ohne Stolz. Neben Deutsch spricht er afrikaans, englisch, holländisch und ein wenig französisch. Doch wirklich fasziniert sind wir, wenn Frans in seiner Muttersprache spricht, denn er gehört zum Stamm der Damara, einer von total drei Stämmen deren Sprache «Klicklaute» beinhalten. Bis zum Schluss versuchen wir vergebens, ;uns die zwei Wörter zu merken, die (geschnalzt) soviel wie «zum Wohl» bedeuten. Die Möglichkeit zu üben haben wir genug, denn der abendliche «Sundowner» ist in Namibia Teil des Erlebnisses. Dieser Luxus ist ein Kontrast zur Armut, denn Namibia zählt den Ländern mit dem grössten Einkommensgefälle zwischen Arm und Reich. Und so fragen wir uns, wie die Angestellten in den wunderschönen Lodges über uns reiche Touristen denken. Doch auf diese Frage winkt Frans ab. Der Tourismus, so erklärt er, ist der am schnellsten wachsende Industriezweig, und die Menschen in Namibia sind sehr dankbar für die Möglichkeiten, die sich Ihnen dadurch eröffnen. Frans ist sehr ruhig und zurückhaltend. Erst als wir nochmals nachfragen erzählt er uns, dass er in seiner Freizeit in einer Suppenküche aushilft und diese nach Möglichkeit auch finanziell unterstützt.

Ist es für dich manchmal schwierig, deine Kultur mit dem Tourismus zu vereinen?

Nein, gar nicht. Ich bin sehr modern auf einer deutschen Farm aufgewachsen.

Pflegst du trotz des modernen Lebens gewisse Damara-Traditionen?

Ja klar, am 26. Oktober feiern wir Damara das Königsfest. Wir treffen uns alle südlich des Ortes Korihas im Damaraland und singen und tanzen wie unsere Vorväter dies getan haben.

Hast du einen Traum für die Zukunft? 

Ich möchte gerne meine eigene Tourismusfirma haben. Ich möchte eigene Reiseleiter anstellen und Touren in Namibia, Botswana und Zimbabwe planen. Und ich möchte irgendwann gerne einmal nach Deutschland reisen.

Was ist für dich das schönste an deiner Arbeit?

Wenn ich eine Gruppe abhole am Flughafen, und die Gäste voller Erwartungen sind, das ist der schönste Moment. Dann setze ich alle in den Bus, fahre los und erzähle von meinem Land und meiner Kultur. Das ist für mich ein ganz besonderer Moment. Und die Leute geniessen das sehr.

Schon zu Beginn der gut zwei Wochen in Namibia ist für uns klar: dieses Land ist ein ungeschliffener Diamant. Ein junges Land mit vielen spannenden Kontrasten, herzlichen Menschen, unterschiedlichen Kulturen, rauen Wüstenlandschaften und einer reichen Tierwelt. Die Reise durch Namibia wird unvergesslich bleiben, denn Reiseleiter Frans hat den Diamanten für uns zum Glänzen gebracht.