Zimbabwes diebische Elefanten

Harare (am) Nach einer ereignisreichen Safari-Woche in Botswana freue ich mich riesig auf den Besuch der mir bis anhin unbekannten Nationalparks Hwange und Mana Pools in Zimbabwe.

Bereits vor vier Jahren habe ich das Land von Bulawayo bis nach Harare im Auto bereist und die wichtigsten Sehenswürdigkeiten besucht. Ein tolles Land mit viel Potential, wunderschönen und abwechslungsreichen Landschaften sowie freundlichen und aufgeschlossenen Einwohnern. Aufgrund der politischen Situation zögern interessierte Kunden oft, eine Reise an diese faszinierende Destination zu unternehmen, um die herrschende Diktatur nicht zu fördern. Leider geht dabei vergessen, dass die Zimbabwer unsere Unterstützung dringend benötigen.

In Victoria Falls besteigen wir ein Kleinflugzeug mit dem Ziel Hwange Nationalpark. An der Flugpiste werden wir von unserem Guide Armstrong abgeholt und wir nehmen die Fahrt ins Somalisa Acacia Camp in Angriff. Der Park beheimatet ca. 40'000 Elefanten und unterwegs zur Unterkunft haben wir gefühlt mindestens die Hälfte davon bereits gesehen. Ganz nebenbei sind da auch noch Giraffen, Zebras, Gnus, Strausse, Impalas und andere Wildtiere anzutreffen. Bereits während des Transfers knipsen wir was das Zeug hält.

Im Camp werden wir herzlich begrüsst und das kalte Tuch sowie der hausgemachte Eistee sind eine willkommene Erfrischung. Dann werden wir in den gemütlichen Hauptbereich geführt, wo das Mittagessen in Buffetform für uns bereit steht. Wir geniessen nicht nur die ausgezeichnete Mahlzeit sondern auch den freien Blick auf das vorgelagerte Wasserloch. Nach dem Lunch beziehen wir unser Zelt und richten uns für die nächsten Tage ein. Wir können uns kaum entscheiden, ob wir auf der Veranda sitzend oder auf dem Bett liegend das Wasserloch im Auge behalten wollen. So machen wir es uns auf dem Bett bequem und warten erst mal ab. Es dauert nicht lange, bis sich die ersten Tiere in der Hitze des Nachmittags nach Wasser lechzend dem Camp nähern: Elefanten-Alarm!

Elefantenbad

Rasch laufen wir zum Pooldeck und sichern uns in gespannter Erwartung auf das kommende Naturschauspiel die beste Position auf den Liegebetten. Schnellen Schrittes, mit weit nach vorne gestreckten Rüsseln, strebt eine Elefantenherde der Wasserstelle entgegen. Prustend stürzen sich die Jungtiere ins Nass und die Muttertiere machen es ihnen nach.

Ich kann es kaum glauben und vor lauter Aufregung schlägt mein Herz Purzelbäume, als eine mächtige Elefantenkuh sich von der Wasserstelle abwendet und sich dem Pool – und somit uns – nähert. Wenige Sekunden später sehen wir aus nächster Nähe ihren Rüssel ins Wasser gleiten und hören, wie sie das Wasser einsaugen. Wir können tief in den Schlund hineinschauen, in den der Rüssel das köstliche Nass hineinspritzt. Ein atemberaubendes Erlebnis! Nach wenigen Minuten ist das Spektakel vorbei und wir bleiben noch einen Moment sitzen, fassungslos und tief beeindruckt. Solche Szenen gehören in den Somalisa Camps zur Tagesordnung und hinterlassen bei allen Gästen einen unvergesslichen Eindruck.

Während der Nachmittagspirschfahrt bestaunen wir die abwechslungsreiche Landschaft und die reiche Tierwelt. Kurz vor Sonnenuntergang finden wir fünf Löwinnen, die sich unter Schatten spendenden Büschen räkeln. Wie gebannt beobachten wir, wie sie langsam erwachen, sich strecken und schliesslich die Köpfe wieder sinken lassen und weiter dösen. Die Sonne verschwindet langsam hinter dem Horizont und wir genehmigen uns den obligaten Sundowner im Fahrzeug. Wir kosten jede Minute aus, bevor wir uns – in warme Ponchos eingekuschelt – auf den Rückweg begeben.

Nach der Ankunft im Camp gehen wir ans knisternde Lagerfeuer, das nur durch eine Barrikade aus Holzstämmen von der erwähnten Wasserstelle entfernt ist. Wir sind gespannt, ob mehr Elefanten und andere Tiere für einen Schlummertrunk vorbei kommen und wir werden nicht enttäuscht. Unter dem funkelnden Sternenhimmel Zimbabwes beobachten wir Büffel, Zebras, Gnus, Impalas und Elefanten am Trinken. Fast enttäuscht hören wir, dass das Abendessen bereit ist und wir verabschieden uns schweren Herzens von der Szenerie.

Nächtlicher Besuch

Nachts werde ich von einem Geräusch geweckt, das ich zuerst nicht einordnen kann. Kommt das Scheppern vom Hauptzelt? Ist das Personal vielleicht schon dabei, das Frühstück vorzubereiten? Ein Blick auf die Uhr zeigt, dass es 2 Uhr nachts ist. Eindeutig zu früh für solche Vorbereitungen. Dann fällt mir wieder ein, dass das Personal uns vor «Jurassic» gewarnt hat. Ein riesiger Elefantenbulle, der auf den Geschmack von Seife gekommen ist und diese mit Vorliebe aus den Badezimmern der Gästezelte entwendet. Ich drehe meinen Kopf nach rechts und tatsächlich: Höchstens 5 Meter entfernt und hinter der netzartigen Abtrennung der Nasszelle sehe ich einen mächtigen Kopf, der das ganze Bad ausfüllt. Mit seinem grossen Rüssel tastet er die verschiedenen Gegenstände ab und dabei hat er die Keramik-Schälchen mit den Seifen entdeckt. Kein Problem für die sensiblen Riesen, die Seife zu stibitzen und sich dann auf leisen Sohlen zu entfernen. Ein weiteres Erlebnis, das meine Liebe zum afrikanischen Busch wachsen lässt und ein zusätzlicher Grund, weshalb ich nie genug davon bekommen werde.

Nach drei ereignisreichen Tagen voll spektakulären Begegnungen nehmen wir mit einem weinenden und einem lachenden Auge Abschied von Somalisa. Das nächste Abenteuer erwartet uns: Mana Pools. Die Camps Zambezi Life Style und Kanga lassen sich ideal miteinander kombinieren. Jede Zeltunterkunft hat seinen eigenen Charme und bietet unterschiedliche authentische Erlebnisse. Das mobile Zambezi Life Style Camp wird erst unmittelbar vor Ankunft der Gäste direkt am Zambezi Fluss aufgebaut, während sich das Kanga Camp im buschigen Hinterland des Nationalparks versteckt.

Bush-Walk

Die Lage des Fluss-Camps und die hier herrschende Atmosphäre verschlagen uns die Sprache. Idyllisch reihen sich die Zelte am Ufer des mächtigen Flusses und der Ausblick auf die gegenüberliegende Bergkette des Lower Zambezi Nationalparks in Zambia ist spektakulär. Erschöpft von der Hitze und der Anreise lassen wir uns überwältigt in die Camping-Stühle sinken und geniessen den Moment, bevor wir in unser Zelt gebracht werden. Nach dem vielen Sitzen und Essen sehnen wir uns nach etwas Bewegung und wir entschliessen uns, eine Busch-Wanderung zu unternehmen. In Begleitung eines qualifizierten Guides begeben wir uns zu Fuss auf die Suche nach der hiesigen Tierwelt. Aus sicherer Distanz beobachten wir die schüchternen Elan Antilopen, Elefanten und Büffel, während die Paviane in den Bäumen turnen. Wir stehen am Ufer des Zambezi und zählen die Hippos, die sich zum Schutz vor der Sonne im Wasser aufhalten sowie die sich auf den Sandbänken ausruhenden Krokodile.

Inzwischen hungrig geworden kehren wir am späten Nachmittag ins Camp zurück, wo wir noch einige Minuten zufrieden vor unserem Zelt sitzen, bevor wir uns frisch machen und im Hauptzelt das exzellente Abendessen einnehmen. Mit vollem Bauch und glücklich lassen wir uns anschliessend vom Grunzen der Flusspferde in den Schlaf wiegen.

Heute steht eine Kanu-Fahrt auf dem Programm. Das Gefühl, das mich ergreift, während wir fast lautlos dahingleiten, ist nicht zu beschreiben. Eine tiefe Ruhe überkommt mich und ich kann mein Glück kaum fassen. Fasziniert beobachte ich die Schauspiele, die die Natur zu bieten hat. Allerdings ist mir doch eher mulmig zumute, als wir uns den Flusspferden nähern. Aus der Distanz sind sie ja ganz süss und für ein tolles Foto dürfen sie auch gerne den Mund aufreissen, doch zu nah will ich ihnen nicht kommen. Da wechseln wir auch schon die Richtung und lassen uns von der Strömung weiter flussabwärts treiben.

Zweibeinige Elefanten

Am nächsten Tag wechseln wir das Camp, doch zuerst wollen wir eines der Höhepunkte Mana Pools finden: die auf den Hinterbeinen stehenden Elefantenbullen. Einige der grauen Riesen waren clever genug zu merken, dass es etwas weiter oben in den Bäumen noch mehr saftige Blätter gibt. Leider ist das Glück heute nicht auf unserer Seite und wir verlassen die Ufergebiete des Zambezi unverrichteter Dinge.

Auf holprigen Strassen fahren wir durch den Park, der heisse Wind weht uns um die Ohren und trocknet unsere Haut komplett aus. Wir leeren eine Wasserflasche nach der anderen, um nicht zu dehydrieren. Wir sind im Busch, kein anderes Fahrzeug oder gar Camp weit und breit. Ein fantastisches Gefühl – this is Africa!

Das Kanga Camp liegt inmitten dichten Busches an einer Lichtung. Die Lage ist einzigartig, denn direkt vor dem Camp befindet sich die einzige Wasserstelle im Umkreis von mehreren Kilometern. Der grosszügige Hauptbereich mit verschiedenen Sitzmöglichkeiten, einer Busch-Bar und einer Terrasse, ist auf Stelzen gebaut. Der perfekte Ort, um auch mal eine Pirschfahrt sausen zu lassen und die reiche Tierwelt vom Camp aus zu beobachten. Es vergehen kaum 10 Minuten, ohne dass Tiere die Lichtung betreten. Direkt vor unserem Zelt wälzen sich Wildschweine und Elefanten im Schlamm. Ich kann mich nicht satt sehen und die Anzeige auf meiner Fotokamera erreicht inzwischen 2500 Bilder.

Abends treffen wir uns in der Lounge mit den anderen Gästen und wir genehmigen uns ein kühles Glas Weisswein. Das Abendessen wird gemeinsam am grossen Tisch auf der Terrasse unter dem Sternenhimmel eingenommen. Die Guides unterhalten uns mit spannenden Geschichten und scheinen mit ihren Taschenlampen immer wieder auf die Wasserstelle.

Auf einmal legt er seinen Finger auf den Mund und legt uns nahe, still zu sein. Er hat etwas entdeckt... Der Lichtkegel bewegt sich zur äussersten rechten Stelle und mir stockt der Atem: Ein Leopard. Am Wasserloch. Direkt vor uns. Wow.

Doch damit nicht genug… Er schwenkt weiter links rüber und wir sehen eine Löwin, die am Wasser trinken ist. Dahinter nähern sich mehrere Elefanten, gefolgt von einer Herde Büffel. Ich bin sprachlos, kann es nicht fassen. Wo gibt es denn so etwas? Vier der berühmten Big Five an ein und derselben Wasserstelle, zur gleichen Zeit. Ich frage mich, ob ich träume… Aber nein, es ist Realität. Der Leopard hat sich zwar inzwischen wieder zurückgezogen, dafür sind drei weitere Löwen dazu gestossen. Es ist unfassbar, die Spannung klar spürbar. Das Essen auf unseren Tellern wird kalt, denn wir starren alle wie gebannt auf dieses einzigartige Intermezzo.

Später begleitet uns der Guide zu unserem Zelt. Kaum hat er sich etwas distanziert raunt er mit leiser Stimme, dass wir im Zelt bleiben sollen, die Löwen befänden sich hinter unserer Einheit. Erst glauben wir, uns verhört zu haben. Wie, direkt hinter unserem Zelt? Sind wir denn an ihnen vorbei spaziert??? Ein mulmiges Gefühl macht sich in unseren Mägen breit doch gleichzeitig steigt der Adrenalinspiegel. Denn das Badezimmer ist offen, zumindest nach oben und vorne. Wir wollten doch auch noch duschen... Ich weiss zwar, dass nichts passieren kann. Doch ist der Gedanke, dass die vier Löwen direkt hinter der Wand aus dünnem Canvas-Stoff liegen, sehr aufregend. Also nehme ich meinen ganzen Mut zusammen und wage mich nach draussen. Die Dusche unter dem funkelnden Sternenhimmel, bei Vollmond und bei Löwen-Gebrüll tut gut und keine halbe Stunde später schlummere ich friedlich ein und verbringe eine erholsame Nacht in meinem bequemen Bett.

Am Tag nach unserer Abreise hat ein Rudel Wild Dogs während des Frühstücks das Wasserloch zur Jagd auf ein Impala auserkoren. Leider haben wir dieses Spektakel verpasst, doch habe ich somit eine Ausrede mehr, wieder hierher zurück zu kommen.

Selten habe ich Tiere so nah und intensiv erlebt wie im Somalisa und im Kanga Camp. Für mich ein absoluter Traum. Ihr überzeugendes Konzept ist folgendes: «Unsere gesamte Leidenschaft gehört den wildesten und einsamsten Plätzen Afrikas. Weit weg vom Alltag und von den Zwängen der Zivilisation. Diese Leidenschaft wollen wir mit Gästen aus aller Welt teilen, die hierfür empfänglich sind. Unser Streben gilt dabei zugleich den Menschen, die hier leben und dem Erhalt einer intakten Umwelt. Beide – Mensch und Natur – sollen durch unser Tun profitieren.»

Mehr Informationen über diese Camps finden Sie im Private Safaris Katalog oder online auf privatesafaris.ch